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Der Konzentrationstest für Kinder: KoKi

Der KoKi ist ein Leistungstest mit dem die Konzentrationsfähigkeit bei Grundschulkindern erfasst werden kann. Das Testprinzip weist dabei Ähnlichkeiten zum d2-R auf, wobei das Augenmerk auf eine besonderes kindgerechte Aufgabendarbietung gelegt wurde.

Wir haben mit den Autor*innen Professor Lothar Schmidt-Atzert und Dr. Karin Funsch über den KoKi gesprochen.

Konzentrationstest KoKi für Kinder kindgerecht die Konzentration messen

Herr Professor Schmidt-Atzert, Frau Doktor Funsch, mit dem KoKi haben Sie ein neues Verfahren zur Erfassung der Konzentrationsfähigkeit vorgelegt. Worin liegen die Besonderheiten dieses Verfahrens?

Der KoKi wurde kindgerecht gestaltet. Die Aufgabe ist einfach und plausibel (siehe Abbildung 1): Am Anfang (wie hier) oder am Ende einer Zeile mit je 10 Tieren befindet sich eine Wurst. Die Kinder sollen alle Hunde suchen, die zu einer Wurst schauen („Hunde fressen gerne Wurst“; in Abb. 1 wäre das nur das mittlere Tier). Pferde, auch wenn sie zur Wurst schauen, sollen sie ignorieren („Pferde fressen Gras“). 

Eine weitere Besonderheit ist die Verwendung von ablenkenden Items. Ein Zauberer hat „komische Pferde“ gezaubert (hier das vorletzte Tier), um die Kinder abzulenken. Die Kinder sollen sich aber nicht vom Zauberer stören lassen. Die verzauberten Pferde sind leicht als Distraktoren zu erkennen. Sie lenken die Kinder dennoch mehr oder weniger stark von ihrer Aufgabe ab. Die Hälfte der Testseiten enthält einige „verzauberte Pferde“, die andere Hälfte nicht. Aus der Differenz der Konzentrationsleistung bei den Seiten mit und ohne verzauberte Pferde wird der Kennwert für die Unablenkbarkeit bestimmt.

Abbildung 1. Auszug aus dem Testmaterial

Für welche Fragestellungen kann der KoKi eingesetzt werden?

Der KoKi kann bei allen Fragestellungen eingesetzt werden, bei denen die Überprüfung der Konzentrationsfähigkeit von Kindern im Grundschulalter von Bedeutung ist. Dies betrifft im klinischen Bereich z. B. die Diagnose einer ADHS, aber auch andere Störungen im Kindesalter, die mit Konzentrationsproblemen einhergehen. Im schulischen Bereich liefert der KoKi wichtige Informationen über die Konzentrationsfähigkeit zur Kompetenzbeurteilung bei der Schullaufbahnberatung und bei förderpädagogischen Fragestellungen. Der KoKi kann natürlich auch bei wissenschaftlichen Untersuchungen, z.B. zum Entwicklungsverlauf oder zur Förderung der Konzentrationsfähigkeit von Kindern, eingesetzt werden.

Inwiefern besteht eine „Verwandtschaft“ zwischen dem d2-R und dem KoKi?

Der KoKi ist im Prinzip wie der d2-R aufgebaut. In knapp bemessener Zeit sind mehrmals möglichst viele Zielobjekte durchzustreichen. Zielobjekte und Distraktoren unterscheiden sich wie beim d2-R auf zwei Merkmalsebenen: Es gibt Tiere (Hunde und Pferde analog den Buchstaben d und p) mit zwei Blickrichtungen (hin zu oder weg von der Wurst analog der richtigen oder falschen Strichzahl beim d2-R). 

Die Kennwerte des d2-R werden auch im KoKi berechnet, nämlich die Konzentrationsleistung (KL), das Tempo (bearbeitete Zielobjekte BZO) und die Genauigkeit bei der Testbearbeitung (R% bzw. F%). 

Konzeptuell sollen beide Tests das gleiche Merkmal erfassen, nämlich die Konzentrationsfähigkeit bei Aufgaben, die Aufmerksamkeit verlangen. Empirisch zeigt sich diese Ähnlichkeit in einer Korrelation der KL-Werte von r = .69. Das ist ein hoher Wert für die Interkorrelation von Konzentrationstests. 

Welche Vorteile bietet der KoKi in der Anwendung gegenüber anderen Konzentrationstests?

Der KoKi wurde speziell für Grundschulkinder entwickelt, d.h. für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren. Besonderer Wert wurde dabei auf eine kindgerechte Gestaltung gelegt. Durch eine Coverstory, bei der ein Zauberer eine zentrale Rolle einnimmt, werden die Kinder in den Test eingeführt und die Items bestehen aus Hunden und Pferden. Dies weckt das Interesse der Kinder; bspw. fragte ein Kind nach der Testdurchführung „Wo kann man denn das Spiel kaufen?“. Ein weiterer Vorteil gegenüber anderen Konzentrationstests besteht darin, dass der KoKi neben den herkömmlichen Leistungskennwerten – Konzentrationsleistung, Leistungstempo und Leistungsgüte – auch die Unablenkbarkeit erfasst. Ein niedriger Wert auf dieser Skala spricht dafür, dass das Kind leicht ablenkbar ist. Ablenkbarkeit ist ein wichtiger Kennwert für die Diagnose einer ADHS. Zur Diagnose einer ADHS müssen allerdings noch weitere diagnostische Kriterien abgeklärt werden, wozu andere Tests existieren (z.B. durch den DKT-K das Merkmal „Probleme, sich längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren“). Unseres Wissens gibt es aber keinen Test, der Ablenkbarkeit so gut wie der KoKi erfasst.

Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung des KoKi?

Die größte Herausforderung war die Entwicklung des Testmaterials. Die Hunde und die Pferde mussten einerseits eindeutig als solche zu erkennen sein, damit es nicht zu echten Verwechslungen kommt. Andererseits musste die Aufgabe so schwer sein, dass sie Konzentration verlangt. Die Hunde und Pferde sind deshalb gleich groß. 

Bei der ersten Testversion konnte sich die Wurst auch in der Mitte der Zeile befinden. Damit haben wir besonders die jüngeren Kinder überfordert. Und schließlich war die Ablenkungsbedingung am Anfang nicht effektiv genug. Wir hatten zu viele verzauberte Pferde auf einer Seite untergebracht und vier Seiten mit verzauberten Pferden folgten direkt aufeinander. Die Kinder hatten sich vermutlich schnell an die verzauberten Pferde gewöhnt und fanden sie dann nicht mehr interessant genug. Deshalb mussten in der Ablenkungsbedingung auf jeder neuen Testseite frische verzauberte Pferde auftauchen. Nach dem Motto „weniger ist mehr“ haben wir deshalb dann auf den vier Testseiten der Ablenkungsbedingung jeweils 10 neue verzauberte Pferde gezeigt. Weil wir nur 12 verzauberte Pferde hatten, mussten wir ein paar auch auf den Kopf stellen und auch zweimal unter die normalen Pferde mischen. Seiten mit normalen und verzauberten Pferden wechseln sich nun ab. Kommt eine Seite mit verzauberten Pferden, ist sie aufs Neue interessant für die Kinder.

 

Wir danken Ihnen für das Gespräch!

Prof. Dr. Lothar Schmidt-Atzert

Prof. Dr. Lothar Schmidt-Atzert ist Univ. Prof. i. R. Von 2000 bis 2016 Professur für Psychologische Diagnostik am Fachbereich Psychologie der Philipps-Universität Marburg. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Testentwicklung, berufliche Eignungsdiagnostik sowie Studieneignung.

Dr. Karin Funsch

Dr. Karin Funsch ist seit 2011 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Philipps-Universität Marburg am Fachbereich Psychologie in der Arbeitseinheit Psychologische Diagnostik. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Testentwicklung, Rechtspsychologie, Aufmerksamkeit und Konzentration.

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