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Psychologie in der Gesundheitsförderung

Gesundheit ist stark vom individuellen Erleben geprägt. Entsprechend unterscheiden sich Maßnahmen für mehr Wohlbefinden.

In ihrem umfassenden Werk „Psychologie in der Gesundheitsförderung" haben Carl-Walter Kohlmann, Christel Salewski und Markus Antonius Wirtz das Themenfeld aus zahlreichen relevanten Perspektiven beleuchtet und bieten somit Einsteigern einen wertvollen Überblick über das Thema.

In ihrem einleitenden Kapitel zur psychologischen Perspektive auf Gesundheitsförderung und Prävention legen die Autor*innen grundlegende Konzepte dar. Sie betonen dabei, dass es in hohem Masse psychologische Prozesse wie Wahrnehmung, Denken und Verhalten sind, die die Gesundheit einzelner Menschen prägen bzw. definieren.

Gesundheitsförderung von Prävention abgrenzen

Zunächst ist es jedoch wichtig, zentrale Begriffe wie „Gesundheitsförderung" und „Prävention" voneinander abzugrenzen. Während Prävention die Perspektive der Vermeidung von Krankheiten, das Eindämmen von Risikofaktoren betont, basiert Gesundheitsförderung auf einem konsequent positiven Gesundheitsverständnis. Es geht dabei um Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität als Grundpfeiler eines erfüllten Lebens.

Leitsätze zur Gesundheitsförderung

Als wesentliche Leitsätze zur Gesundheitsförderung formulieren die Autor*innen die folgenden Punkte:

Positives Gesundheitsverständnis statt Vermeidung von Krankheitsrisiken

Anstatt auf die Vermeidung von Krankheiten zu blicken, stellt die salutogenetische Perspektive mit Kompetenzen und Ressourcen zur Führung eines erfüllten Lebens in körperlichem und psychischem Wohlbefinden in den Vordergrund. Hierbei geht es darum, wie Menschen ausreichend Bewegung, gesunde Ernährung und soziale Aktivitäten in ihren Alltag integrieren können, und nicht darum, welche Impfung oder Vorsorgeuntersuchung angestrebt werden soll, wenngleich beide Perspektiven ihre Berechtigung haben.

Gesundheit ganzheitlich verstehen

Ganzheitlich betrachtete Gesundheit umfasst körperliche Unversehrtheit, psychisches Wohlbefinden sowie die Zugehörigkeit zu einem sozialen Umfeld. Wichtig hierbei ist, dass Gesundheit eben nicht nur „körperliches Funktionieren" bedeutet, sondern dass der psychischen und sozialen Ebene ein ebenso großer Stellenwert eingeräumt wird.

Psychologisch fundiertes Verständnis vom Erleben und Verhalten von Menschen

Um Menschen in ihrem gesundheitsförderlichen Verhalten zu unterstützen ist es wichtig, über zentrale neurobiologische, emotionale und kognitive Prozesse Bescheid zu wissen und damit Verhaltensweisen und -routinen beeinflussen zu können. Hier hat jede*r schon einmal einschlägige Erfahrungen gemacht, z.B. dass es einfacher ist, sich durch Verabredung mit Freund*innen zum Sport zu motivieren, am besten regelmäßig an bestimmten Tagen, oder dass man am nächsten Tag fitter ist, wenn man früher zu Bett gegangen ist, anstatt bis spätabends vor dem TV- oder Computerbildschirm gesessen hat.

Der Mensch in seiner Lebenswelt

Den Blick einzig auf die Gesundheit i.S. der Abwesenheit von Krankheit zu richten, greift zu kurz. Das bio-psycho-soziale Modell betont deshalb auch die Bedeutung des sozialen Umfeldes von Menschen. Demgemäß sind soziale Aspekte des Lebens ein wichtiger Teil der Gesundheit und Gesundheit bestimmt die Möglichkeiten, am sozialen Leben teilzuhaben. So ist es etwa bekannt, dass Senior*innen ihr Alter positiver erleben, wenn sie regelmäßigen Austausch mit Familie oder Bekannten pflegen können.

Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit

Um gesundheitsförderliche Handlungsziele und Verhaltensweisen auf- und auszubauen, bedarf es angemessener Aufklärung und Informationsgrundlagen, die den Menschen in vielfältigen Lebensbereichen und -phasen zur Verfügung stehen. Hier wird viel von öffentlichen und privatrechtlichen Institutionen geboten. Gesundheit sollte aber nicht nur als Aufgabe der Gesundheitspolitik verstanden werden. Vielmehr sollte sich jede*r für seine Gesundheit verantwortlich fühlen und entsprechend handeln.

Gesundheitsbewusstsein bedeutet nicht Fixierung auf die eigene Gesundheit

Wenn Menschen beginnen, sich mit ihrem Gesundheitsverhalten auseinanderzusetzen, kann es leicht passieren, dass sie dabei über das Ziel hinausschießen. Eine übertriebene Fixierung auf das eigene Gesundheitsverhalten im Sinne einer dysfunktionalen Selbstoptimierung, kann wiederum schädlich sein. Ein achtsamer, aber in jedem Fall gelassener Umgang mit der eigenen Gesundheit ist eher angezeigt als etwa das krankhafte erreichen von Gewichts- oder Leistungszielen.

Gesundheitsförderung ist über die gesamte Lebensspanne hinweg bedeutsam

Gesundheitsförderung ist nicht nur Thema für erkrankte oder ältere Menschen. Vielmehr ist es wichtig, über die gesamte Lebensspanne gesundheitsförderliches Verhalten zu pflegen und zu unterstützen. Dies kann in Kitas, in Schulen, Hochschulen und Betrieben berücksichtigt und gefördert werden – ein Konzept, das von der WHO unter dem Stichwort „Multisektoriale Verantwortung" befürwortet wird.

Gesundheitsförderung muss unterschiedliche Perspektiven berücksichtigen

Ein Konzept wie die Gesundheitsförderung funktioniert am besten, wenn es von unterschiedlichen Seiten auf die Menschen einwirkt. So lernen sie aus verschiedenen Blickwinkeln kennen, was gesundes Verhalten bedeutet, und können neue Erkenntnisse in ihr eigenes Leben einbringen. Um dies zu ermöglichen, ist auch auf institutioneller Ebene das Zusammenwirken von Gesundheits-, Bildungs- und Sozialeinrichtungen von großer Bedeutung. Alle Leistungsträger*innen der Gesundheitsförderung können jedoch von den Erkenntnissen der Psychologie profitieren und diese in ihre Aktionsprogramme oder Kampagnen integrieren.

Gesundheitsförderndes Handeln muss auf gesichertem Wissen basieren

Die Psychologie kann durch die systematische Erforschung von Erleben und Verhalten von Menschen aufzeigen, was zum gesundheitsförderlichen oder gesundheitsschädlichen Verhalten beitragen kann. Dies führt beispielsweise im Bereich Suchtverhalten, Essverhalten, Bewegung und Motivation oder Wohlbefinden zu neuen Erkenntnissen, die uns helfen, unser eigenes Verhalten zu überdenken und gegebenenfalls gesundheitsförderlicher zu gestalten.

Durch umfassende Aufarbeitung des Wissens aller relevanter Facetten der Gesundheitsförderung kann die Gesundheitspolitik substantielle Beiträge zur Aufklärung der Bürger*innen leisten, welche wiederum ihrerseits mit diesem Wissen einen bewussten und verantwortungsvollen Lebensstil pflegen können.

Quellen

C.-W. Kohlmann, C. Salewski, M.A. Wirtz (2018): Psychologie in der Gesundheitsförderung. Bern: Hogrefe.

M.A. Wirtz, C.-W. Kohlmann, C. Salewski (2019): Gesundheitsförderung und Prävention – die psychologische Perspektive. In: C.-W. Kohlmann, C. Salewski, M.A. Wirtz: Psychologie in der Gesundheitsförderung. Bern: Hogrefe.