Essstörungen – Wie können wir sie frühzeitig erkennen?
In dieser Folge spricht Anita Wilke mit Prof. em. Dr. Brunna Tuschen-Caffier darüber, wie Essstörungen entstehen und welche Faktoren einen Einfluss auf die Entwicklung haben und warum eine frühe Behandlung wichtig ist. Außerdem geht es um die Frage, wie Angehörige Betroffene unterstützen können und warum Rückschläge im Behandlungsverlauf nicht automatisch ein Scheitern bedeuten.
Inhaltshinweis
In dieser Folge geht es um Essstörungen und damit verbundene Symptome, Warnzeichen sowie körperliche und psychische Folgen. Die Inhalte können für Menschen mit eigener oder vergangener Erfahrung mit Essstörungen belastend sein.
Gast der Episode: Prof. em. Dr. Brunna Tuschen-Caffier
Prof. em. Dr. Brunna Tuschen-Caffier
Prof. em. Dr. Brunna Tuschen-Caffier ist emeritierte Professorin sowie Psychologische Psychotherapeutin mit langjähriger wissenschaftlicher Expertise im Bereich der Klinischen Psychologie und Psychotherapie.
Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit sind Essstörungen. Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Entstehung und Behandlung von Essstörungen und welche Faktoren hierbei einen Einfluss haben.
Kurz zusammengefasst: Was ist eine Essstörung?
Essstörungen beginnen häufig schon in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter. Sie gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, die Erwachsene noch über längere Zeit begleiten können. Die drei Hauptformen sind die Anorexie (Magersucht), die Bulimie (Ess-Brech-Sucht) und die Binge-Eating-Störungen (regelmäßig auftretende Essanfälle ohne gewichtsregulierende Maßnahmen).
Wie entstehen Essstörungen?
Eine Essstörung hat nicht die eine Ursache. Im Interview erklärt Brunna Tuschen-Caffier das Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Dazu gehören biologische Voraussetzungen, psychische Faktoren sowie Einflüsse aus dem sozialen und persönlichen Umfeld.
Eine wichtige Rolle spielen dabei auch Lernerfahrungen: Menschen können bestimmte Verhaltensweisen im Umgang mit Stress und Belastungen erlernen. Die damit verbundene gute Nachricht lautet: Was gelernt wurde, kann auch wieder verlernt werden.
Das erwartet Sie in dieser Episode:
- Welche drei Hauptformen von Essstörungen unterschieden werden: Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und Binge-Eating-Störung.
- Wie sich die verschiedenen Essstörungen äußern können.
- Welche ersten Anzeichen auf eine Essstörung hindeuten können.
- Welche Rolle Diäten, Figur- und Körperunzufriedenheit spielen können.
- Welche Risiko- und Schutzfaktoren die Entwicklung beeinflussen.
- Warum soziale Unterstützung und Austausch wichtig sein können.
- Weshalb eine Essstörung frühzeitig behandelt werden sollte.
- Welche Möglichkeiten der ambulanten und stationären Behandlung es gibt.
- Wie Angehörige Betroffene unterstützen können.
- Warum Rückschläge zum Behandlungsverlauf gehören können.
- Welche Hoffnung mit einer erfolgreichen Behandlung verbunden ist.
Die Folge macht dabei deutlich: Nicht jedes auffällige Essverhalten bedeutet automatisch, dass eine Essstörung vorliegt. Entscheidend ist das Gesamtbild und insbesondere die Frage, wie stark das Verhalten das Leben der betroffenen Person beeinträchtigt.
Rückschläge gehören dazu
Ein erfolgreicher Behandlungsverlauf bedeutet nicht zwangsläufig, dass Symptome von einem Tag auf den anderen vollständig verschwinden. Rückschläge können dazugehören.
Brunna Tuschen-Caffier empfiehlt, solche Situationen nicht als komplettes Scheitern oder als Rückkehr zum Ausgangspunkt zu verstehen, sondern als Herausforderung und Möglichkeit, das bereits Gelernte erneut anzuwenden und zu üben.
Diese Perspektive kann sowohl für Betroffene als auch für Angehörige hilfreich sein: Ein Rückschlag bedeutet nicht, dass bisherige Fortschritte wertlos sind.
FAQ
Im Gespräch werden drei große Essstörungen beschrieben: Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und die Binge-Eating-Störung.
Mögliche Hinweise können beispielsweise sein, dass jemand nicht mehr mit anderen zusammen essen möchte, sich beim Essen zurückzieht oder sich nach dem Essen anders verhält als sie oder er es sonst tut. Auch eine deutliche Gewichtszunahme kann ein mögliches Zeichen sein z. B. auf das Vorliegen einer Binge-Eating-Störung hinweisen. Wichtig ist jedoch: Solche Anzeichen können vorkommen, müssen aber nicht automatisch auf eine Essstörung hindeuten.
Es gibt nicht die eine Ursache. Verschiedene biologische, psychische, soziale und umweltbezogene Faktoren können zusammenwirken. Auch Lernerfahrungen spielen eine wichtige Rolle.
Ja. Im Gespräch wird betont, dass ein großer Teil der Patientinnen ambulant behandelt werden kann. Je nach Schwere und Verlauf kann jedoch auch eine stationäre Behandlung notwendig sein.
Insbesondere bei Essstörungen, die bereits im frühen Jugendalter beginnen, kann langes Abwarten zu erheblichen körperlichen negativen Folgen führen. Eine frühzeitige Behandlung soll unter anderem einer Chronifizierung entgegenwirken.
Eine wichtige Grundlage ist, die Essstörung als Erkrankung ernst zu nehmen und offen für Gespräche zu sein. Je nach Behandlung können Angehörige auch ganz konkret in therapeutische Übungen und den Unterstützungsprozess einbezogen werden.
Rückschläge können zum Behandlungsverlauf gehören. Entscheidend ist, sie nicht als vollständigen Rückfall auf den Ausgangspunkt zu betrachten, sondern als Gelegenheit, bereits erlernte Strategien erneut anzuwenden.
Der Austausch mit anderen Menschen, die ebenfalls betroffen sind, kann hilfreich sein. Auch Selbsthilfegruppen für Angehörige können Möglichkeiten bieten, Erfahrungen auszutauschen und sich Unterstützung zu holen. Zudem können Angehörige sich anhand von Ratgebern informieren.
Die wichtigsten Erkenntnisse dieser Folge
- Essstörungen sind ernst zu nehmen. Sie sind keine Marotten oder Angewohnten, die man schnell und einfach wieder ändern kann. Professionelle Behandlung kann hierbei notwendig sein.
- Es gibt nicht die eine Ursache. Essstörungen entstehen aus dem Zusammenspiel verschiedener biologischer, psychischer und umweltbezogener Faktoren.
- Essstörungen können erlernte Muster beinhalten. Eine wichtige Botschaft der Folge: Was gelernt wurde, kann auch wieder verlernt werden. Darin liegt ein wichtiger Ansatzpunkt für Veränderung und Hoffnung.
- Frühe Hilfe ist wichtig. Je früher eine Essstörung erkannt und behandelt wird, desto besser kann einer Chronifizierung und möglichen negativen körperlichen Folgen entgegengewirkt werden.
- Angehörige sind nicht machtlos. Verständnis, Offenheit, soziale Unterstützung und – je nach Behandlung – eine konkrete Einbindung können Betroffene unterstützen.
- Rückschläge bedeuten nicht, dass alles verloren ist. Sie können Teil des Weges sein und eine Gelegenheit bieten, bereits erlernte Strategien weiter einzuüben.
- Es gibt Grund zur Hoffnung. Trotz der Schwere von Essstörungen ist Veränderung möglich. Die Folge verbindet die wissenschaftliche Perspektive deshalb ausdrücklich mit einer ermutigenden Botschaft: Behandlung kann helfen, neue Wege im Umgang mit Stress, Belastungen und Essverhalten zu entwickeln.
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