Skip to main content
DeutschWissen und GesellschaftKlinik und Therapie

ADHS bei Frauen – Symptome über die Lebensspanne

ADHS zeigt sich bei Mädchen und Frauen oft anders als bei Jungen und Männern – und wird deshalb bis heute seltener und später diagnostiziert. Subtilere Symptome, gut entwickelte Kompensationsstrategien und hormonelle Einflüsse können das Erkennen zusätzlich erschweren. Viele Diagnoseinstrumente basieren zudem auf männlichen Stichproben und erfassen weibliche Symptomprofile nur unzureichend.

Im Gespräch erläutern Dr. Johanna Kneidinger, Dr. Anna Szép und Prof. Dr. Hanna Christiansen, welche geschlechtsspezifischen Faktoren besonders relevant sind, warum gute Leistungen oder „unauffälliges“ Verhalten nicht gegen eine ADHS sprechen – und wie Diagnostik und Behandlung gestaltet sein müssten, um betroffene Frauen und Mädchen besser zu erreichen.

Ein Foto von 4 Frauen 3 Frauen ein Kind verschiedene Generation eng beieinanderstehend

Bild: Shutterstock / Anokhina260758

ADHS bei Frauen wird häufig später erkannt. Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?

Eine späte Diagnose bei Frauen kann verschieden Ursachen haben. Mädchen und Frauen zeigen im Schnitt andere Symptomprofile als Jungen. Jungen erfüllen eher das Stereotyp des „Zappelphilipps“, da sie expansiveres Verhalten zeigen. Mädchen mit ADHS sind oftmals weniger expansiv, eher verträumt und „stören“ v.a. weniger. Diese Symptome werden im Alltag seltener als problematisch wahrgenommen und dadurch weniger oder später erkannt. Ebenso kommt es durch die Unterschiede in der Äußerung der Symptome häufiger zu Fehldiagnosen. Überlappende Symptome wie Konzentrationsschwierigkeiten oder ein niedriger Selbstwert werden bei Mädchen eher anderen psychischen Störungen, etwa Depressionen oder Angststörungen, zugeschrieben (Babinski, 2024; Klefsjö et al., 2021). 

Über die Unterschiede im Symptomprofil hinaus zeigen Studien zudem Verzerrungen im Rahmen diagnostischer Untersuchungen. Bei gleichen Symptomen wird ADHS bei Jungen häufiger diagnostiziert als bei Mädchen (Beheshti et a. 2021; Bruchmüller, Margraf und Schneider, 2012). In der Studie von Meyer et al. (2020) konnte beispielsweise gezeigt werden, dass obwohl objektive, verblindete Beobachtungen derselben Kinder keine Geschlechtsunterschiede zeigen, Jungen in Eltern- und Lehrkrafturteilen als auffälliger eingeschätzt werden. Hinzukommt, dass bisherige Erhebungsinstrumente vorwiegend an männlichen Probandinnen validiert wurden und somit unklar ist, wie adäquat sie die weibliche Symptomatik erfassen können (Quinn & Madhoo, 2014). Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass ADHS-Symptome bei Frauen in Abhängigkeit von hormonellen Schwankungen, etwa im Verlauf des Menstruationszyklus, variieren können. Da diese Einflüsse bislang nicht abschließend geklärt sind, können auch sie zu Fehldiagnosen beitragen (Quinn & Madhoo, 2014; Roberts et al., 2018; Camara et al., 2022; Eng et al., 2024).

Welche typischen Symptome zeigen Frauen mit ADHS im Alltag, und warum werden diese oft übersehen?

Da für eine Diagnose die gleichen Kriterien nach ICD oder DSM gelten, sollten grundsätzlich die gleichen Symptome vorliegen. Mädchen mit ADHS „stören“ aber nach Berichten oftmals weniger als Jungen, d. h. ihre Störung der Aufmerksamkeit, ihre Hypermotorik und Impulsivität drücken sie auf eine Weise aus, die als „verträglicher“ wahrgenommen wird, z. B., indem sie eher verträumt sind (bspw. aus dem Fenster schauen), nicht umherlaufen oder aufstehen, sondern eher mit dem Fuß wippen oder andere weniger auffällige Bewegungen zeigen. Bei Frauen sehen wir dann schon deutlichere Unterschiede im Vergleich zu Männern, insbesondere eine stärker ausgeprägte Impulsivität/emotionale Labilität und geringen Selbstwert im Vergleich zu Männern. Frauen mit ADHS sind auch häufiger von Angst und Depression betroffen als Männer (Rucklidge, 2010), leiden früher und länger an depressiven Störungen und haben höhere Suizidraten als Frauen ohne ADHS (Fuller-Thomson et al., 2016). Hinsichtlich hormoneller Veränderungen bei Frauen mit ADHS im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung zeigt sich, dass sie häufiger unter prämenstruellen dysphorischen Störungen, postpartaler Depression und klimakterischen Beschwerden leiden (Dorani et al., 2021). Da diese Symptome dem internalisierenden Spektrum zugeschrieben werden, rückt bei Mädchen und Frauen mit ADHS häufig die emotionale Symptomatik in den Vordergrund, während die zugrundeliegende ADHS-Symptomatik in der Folge übersehen wird.

Was versteht man unter Masking bei ADHS, und wie wirkt es sich auf Frauen aus?

„Masking“ ist ein neues Schlagwort bei verschiedenen Störungen und beschreibt, dass Betroffene versuchen, ihre Symptome z. B. im Beruf, in der Schule, in der Öffentlichkeit zu verbergen, um z.B. sozialen Erwartungen zu entsprechen und nicht aufzufallen. Dies kann dazu führen, dass Symptome weniger sichtbar sind, die dafür eingesetzten selbstregulatorischen Fertigkeiten jedoch Erschöpfung und erhöhtes Stresserleben zur Folge haben. Wenngleich es für Betroffene mit einer erheblichen Anstrengung einhergeht, diese selbstregulatorischen Fertigkeiten einzusetzen, ist es doch erfreulich, dass ihnen diese Fertigkeiten zur Verfügung stehen. Der Fokus sollte in diesem Zusammenhang also vorwiegend darauf liegen, den Betroffenen Strategien zu vermitteln, wie sie diese selbstregulatorischen Prozesse ohne übermäßige Anstrengung und damit einhergehender Erschöpfung vornehmen können. Das ist dann im Rahmen eines individuellen Störungsmodells zu erarbeiten und gezielt zu trainieren. Wir sehen diesbezüglich in unseren Intensiv- und Gruppenprogrammen bereits gute Erfolge.

Wie beeinflussen hormonelle Schwankungen die ADHS-Symptome bei Frauen?

Die Beziehung zwischen Hormonen und einer ADHS ist komplex und es ist zu berücksichtigen, dass hormonelle Schwankungen nicht per se einen Risikofaktor für die Entwicklung oder Manifestation der Störung darstellen, sondern beispielsweise die Symptomdarstellung bzw. -ausprägung beeinflussen (Quinn & Madhoo, 2014). So gilt eine Unterfunktion des dopaminergen Systems als zentral bei einer ADHS. Bei weiblichen Personen besteht eine Interaktion zwischen dem DA- und dem Östrogenspiegel, wobei ein höherer Östrogenspiegel mit einem erhöhten DA- und 5-HT-Spiegel assoziiert ist (Camara, Padoin & Bolea, 2022). So führt ein hoher Östrogenspiegel bei weiblichen Personen zu einer Zunahme in der Impulsivität (Camara et al., 2022). Rasche Veränderungen im Östrogenspiegel, insbesondere eine Abnahme, erhöhen das Risiko für das Auftreten von ADHS-Symptomen (Eng et al., 2024). Die Symptome nehmen zu, wenn das Östrogen- und Progesteronniviea (Roberts, Eisenlohr-Moul & Martel, 2018) sinken und nehmen ab, wenn das Östrogenniveau steigt (Hwang, Lee, Kim & Kwon, 2020). 

In diesem Zusammenhang ist hervorzuheben, dass weniger die isolierten Hormonspiegel als vielmehr das Verhältnis von Östrogen zu Progesteron entscheidend für die Ausprägung der ADHS-Symptomatik ist (Roberts et al., 2018). Die hormonellen Einflüsse auf eine ADHS wirken sich unterschiedlich auf Hyperaktivität-Impulsivität und Unaufmerksamkeit aus. Während der Einfluss auf Hyperaktivität und Impulsivität primär einem Östrogen-Rückgang zuzuschreiben ist, ist der Effekt auf Unaufmerksamkeit durch einen Rückgang des Östrogens mit Progesteron als Moderator begründbar (Eng et al., 2024). Angesichts der hormonellen Veränderungen im Lebensverlauf von Frauen, insbesondere durch den Menstruationszyklus, ist es wichtig, deren Auswirkungen auf eine ADHS zu berücksichtigen. Das Erkennen hormonsensitiver Phasen bei Frauen ist für eine präzise Diagnosestellung sowie eine wirksame Behandlung von entscheidender Bedeutung und trägt zur Verringerung des Risikos einer Fehldiagnose oder -behandlung bei. In der Studie von Dorani et al. (2021) wurden N = 209 Frauen mit ADHS mit Frauen aus der Allgemeinbevölkerung verglichen. Dabei zeigte sich folgendes Bild:

  • 45.5 % (ADHS) vs. 28.7 % (Allg. Bev.) Prämenstruelle Dysphorische Störung
  • 57.6 % (ADHS) vs. 14-19 % (Allg. Bev.) Postpartale Depression
  • Verglichen mit der Allgemeinbevölkerung mehr klimakterische Beschwerden: ES 3.71

Es bedarf jedoch weitere Untersuchungen, da der Zusammenhang zwischen hormonellen Veränderungen und ADHS bei Frauen noch unzureichend erforscht ist.

Welche Bedeutung haben exekutive Funktionen für ADHS bei Frauen? Wie wirken sich Fähigkeiten wie Planung, Organisation und Selbstkontrolle auf den Alltag, die Diagnose und mögliche Maskierung der Symptome aus?

Exekutive Funktionen sind zentral für die Verhaltenssteuerung und -planung. Wenn dies gestört ist, hat die gravierende Folgen auf die Funktionsfähigkeit, sowohl bei Männern als auch Frauen. Dabei kommt es aber auch immer auf die Tätigkeiten an. Bspw. hatten wir einen Patienten mit ADHS, der in einem Zweierteam in einer Werbeagentur arbeitete. In dem Team war er der kreative Kopf und die Teampartnerin hat diese Ideen strukturiert umgesetzt. Zu zweit waren sie sehr erfolgreich und es gab keine Probleme. Als die Firma dann aber geschlossen wurde und er die Teampartnerin verlor, zeigte sich das Vollbild der ADHS. Insofern müssen immer die Umgebungsfaktoren berücksichtigt werden. Was für Fähigkeiten können in welcher Umgebung gut zur Geltung kommen und welche nicht? D. h. es ist immer eine individuelle Fallanalyse notwendig, um zu verstehen, wann und unter welchen Bedingungen es zu Schwierigkeiten kommt und wann nicht und welche Faktoren Belastungen erhöhen und welche sie reduzieren können. Wer „maskieren“ kann, hat selbstregulatorische Fertigkeiten, die bei ADHS oftmals beeinträchtigt sind. Selbstregulation ist anstrengend, aber unter manchen Bedingungen vielleicht weniger oder mehr. D. h. wir müssen genau verstehen, wann und warum es schwierig ist, um dann gezielt Belastungen reduzieren zu können.

Zunächst vorweg: Exekutive Funktionen die zentral für die Verhaltenssteuerung und -planung sind, beeinflussen nicht, ob eine ADHS vorliegt, sondern wie sichtbar sie im Alltag wird. Weibliche Betroffene verfügen, insbesondere im Kindes- und Jugendalter, im Durchschnitt über relativ besser entwickelte exekutive Funktionen als männliche (Grissom & Reyes, 2019). Dies ermöglicht ihnen eine höhere kognitive Flexibilität, Anforderungen zu bewältigen, wodurch sie weniger offensichtliche Schwierigkeiten in der Schule zeigen und effektivere Selbstkontroll- und Inhibitionsmechanismen in sozialen Situationen einsetzen. Aber, intakte exekutive Funktionen bedeuten nicht eine Abwesenheit von ADHS, sondern reduzieren lediglich die äußere Sichtbarkeit der Symptome. Wenngleich Symptome so nach außen „unauffällig“ erscheinen können, kann dieser erhöhte Einsatz exekutiver Funktionen auch zu mehr Stresserleben und emotionaler Erschöpfung führen und somit das Risiko für komorbide psychische Störungen erhöhen.

Warum werden ADHS-Symptome bei Frauen häufig fehldiagnostiziert?

ADHS-Symptome werden bei Frauen häufig fehldiagnostiziert, weil sie sich im Vergleich zu Männern weniger auffällig und stärker internalisiert auftreten. Hinzu kommen geschlechtsspezifische Stereotype. So erfüllen Mädchen und Frauen das Stereotyp des Zappelphilipps weniger und bei ihnen werden emotionale Symptome stärker gewichtet. Dadurch wird ADHS entweder nicht oder später erkannt. Ein weiterer zentraler Faktor sind diagnostische Überschneidungen mit anderen psychischen Störungen. Symptome wie Konzentrationsschwierigkeiten, Emotionsregulationsprobleme oder ein niedriger Selbstwert können sowohl bei ADHS als auch bei Depressionen, Angststörungen oder Persönlichkeitsstörungen auftreten und werden bei Frauen häufig diesen Störungsbildern zugeordnet (Babinski, 2024). Zusätzlich werden die Symptome mit vorwiegend an männlichen Stichproben normierten Instrumenten erfasst, und hormonelle Schwankungen noch wenig berücksichtigt. Diese Faktoren führen dazu, dass Frauen häufig andere Diagnosen erhalten oder jahrelang unbehandelt bleiben, bevor ADHS erkannt wird.

Welche langfristigen Folgen hat eine frühzeitige oder späte ADHS-Diagnose bei Frauen? Wie wirken sich Diagnosezeitpunkt und Behandlung auf Schule, Ausbildung, Beruf und psychische Gesundheit aus?

Da ADHS eine Störung der Selbstregulation ist und Selbstregulation eine grundlegende Fertigkeit ist, um im Leben erfolgreich zu sein, hat es gravierende Folgen, wenn dieses Fertigkeitendefizit nicht erkannt und behandelt wird. Dies kann mit geringeren oder keinen Schul-, Berufsabschlüssen einhergehen, insgesamt geringeren Bildungschancen und in der Folge weiteren Belastungen, die die psychische, aber auch physische Gesundheit beeinträchtigen. Die Leopoldina hat 2025 Selbstregulation als einen zentralen Faktor identifiziert und gefordert, diese gezielt in den Bildungseinrichtungen (Kita, Kindergarten und Schule) zu fördern. Das Ziel, die mentale Gesundheit in der Lebensumwelt Kita, Kindergarten und Schule zu fördern, verfolgt auch die Youth Mental Health Infrastruktur (YMH-INF) des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG). Solch universelle Ansätze haben den Vorteil, dass sie nicht stigmatisieren und prinzipiell alle Kinder/Jugendlichen erreichen und zudem Lehrkräften in der Förderung spezifischer Fertigkeiten schulen.

Eine frühe Diagnose (insbesondere im Kindes- oder Jugendalter) geht folglich mit mehreren protektiven Faktoren einher. Durch die frühzeitige Identifikation von Schwierigkeiten sind rechtzeitige Interventionen möglich, wodurch den Betroffenen Zugang zu angepassten Lernstrategien und ggf. schulischen Unterstützungsmaßnahmen möglich ist. Eine frühe Diagnose ermöglich zudem eine bessere Vorbereitung auf berufliche Anforderungen, eine realistischere Selbsteinschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit sowie eine gezieltere Nutzung von Kompensationsstrategien ohne zu starke Selbstüberforderung und Stresserleben. Für die psychische Gesundheit bedeutet dies, dass das Risiko für sekundäre psychische Störungen geringer ist und die Entwicklung eines stabileren Selbstwertgefühls begünstigt wird. Der Diagnosezeitpunkt wirkt somit als zentraler Moderator für Lebensverlauf, Funktionsniveau und psychische Gesundheit von Frauen mit ADHS.

Welche offenen Fragen und Forschungsbedarfe halten Sie für besonders wichtig, um ADHS bei Frauen besser zu verstehen und die Therapie gezielter zu gestalten?

Insgesamt gibt es noch viel Forschungsbedarf, insbesondere ADHS bei Frauen über die Lebensspanne hinweg besser zu verstehen. Bislang ist unzureichend geklärt, wie sich die Symptomatik von der Kindheit über das Erwachsenenalter bis ins höhere Lebensalter verändert und welche hormonellen Phasen mit Symptomverschlechterungen einhergehen. Darüber hinaus wissen wir noch wenig darüber, wo und warum die Versorgung von Mädchen und Frauen mit ADHS systematisch versagt. Es fehlen Studien, die diagnostische und therapeutische Versorgungswege nachzeichnen und aufzeigen, an welchen Stellen es zu Verzögerungen, Fehldiagnosen oder inadäquaten Behandlungen kommt. Solche Erkenntnisse sind entscheidend, um gezielt Ansatzpunkte für eine verbesserte Früherkennung und Versorgung zu entwickeln. Mit diesem Thema wird sich das GAP-ADHS Projekt, das im April dieses Jahres startet, beschäftigen. Ein weiterer wichtiger Forschungsbedarf betrifft geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wirksamkeit und Verträglichkeit von ADHS-Behandlungen, da ein Großteil der bisherigen Studien überwiegend mit männlichen Stichproben durchgeführt wurde. 

 

Literaturnachweise im Originalartikel

Hier finden Sie den Open Access Artikel “Die weibliche ADHS im Fokus: Symptome bei Frauen über die Lebensspanne”:

Dr. Johanna Kneidinger

Dr. Johanna Kneidinger absolvierte von 2016 bis 2019 ihr Bachelorstudium der Psychologie an der Universität Ulm. Sie vertiefte ihre fachliche Expertise im Masterstudium der Psychologie mit dem Schwerpunkt Klinische Neurowissenschaft an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, welches sie 2021 abschloss. Im Anschluss hieran wechselte sie an die Philipps-Universität Marburg, an der sie 2025 ihre Promotion in der Abteilung für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie abschloss. Sie war bis 2024 wissenschaftliche Mitarbeiterin im BESTFORCAN-Projekt. Ihre wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich auf die Optimierung diagnostischer Prozesse durch den gezielten Einsatz von Symptom- und Leistungsvaliditätstests sowie auf die differenzierte Betrachtung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung über die gesamte Lebensspanne hinweg. Sie ist Mitglied der DZPG Early Career Scientists. Parallel zu ihrer wissenschaftlichen Laufbahn absolviert sie ihre Ausbildung zur Kinder- und Jugendpsychotherapeutin mit dem Schwerpunkt Verhaltenstherapie.

Dr. Anna Szép

Dr. Anna Szép absolvierte von 2014 bis 2017 ihr Bachelorstudium der Psychologie an der Károli Gáspár Református Egyetem in Budapest und schloss 2020 den Master mit Schwerpunkt Klinische Psychologie an der Universität Wien ab. Seit Oktober 2020 ist sie in der Arbeitsgruppe Klinische Kinder- und Jugendpsychologie an der Philipps-Universität Marburg tätig. Dort promovierte sie von 2020 bis 2024 und war anschließend (2024–2025) DFG-Postdoktorandin im Graduiertenkolleg 2271 „Breaking Expectations“. Demnächst wird sie im kommenden GAP-ADHS-Projekt die konsortialführende Rolle übernehmen. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf ADHS und der Verbesserung der Versorgung und Lebensqualität betroffener Menschen; insbesondere von Kindern und Jugendlichen sowie ihren Familien, von weiblichen, trans- und geschlechtsdiversen Personen. Weitere Schwerpunkte sind schulische Interventionen, Stigmatisierung sowie der Einsatz digitaler Technologien in Forschung. Sie ist Sprecherin der DZPG Early Career Scientists am Standort Bochum-Marburg und absolviert parallel die Ausbildung zur Kinder- und Jugendpsychotherapeutin mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie.

Prof. Dr. Hanna Christiansen

Hanna Christiansen absolvierte von 1994 bis 2002 ein Doppelstudium der Psychologie und der Neueren deutschen Literaturwissenschaft und Medienwissenschaften an der Philipps-Universität Marburg, dieses schloss sie mit dem Diplom im Fach Psychologie ab. Im Anschluss war sie an den Rheinischen Kliniken Essen, Universität Duisburg-Essen tätig und promovierte 2009. Von 2008 bis 2012 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Psychologie der Philipps-Universität Marburg und habilitierte sich 2012 für Psychologie. In den Jahren 2013 bis 2016 hatte sie eine W2-Professur für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie in Marburg inne, 2016 wurde sie auf eine gleichnamige W3-Professur berufen. Seit 2014 hat Christiansen die Leitung des Instituts für Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie-Ausbildung Marburg sowie des Instituts für Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie-Ambulanz Marburg inne. Zudem ist Christiansen Herausgeberin der Fachzeitschrift Kindheit und Entwicklung und der Reihe «Psychologische Kinderbücher» im Hogrefe Verlag.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

AHDS bei Erwachsenen Chaos im Kopf ADHS Screening

ADHS-E – das ADHS-Screening für Erwachsene

Mit dem ADHS-E können Symptome einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Erwachsenen effizient und zuverlässig erfasst werden.

Mehr erfahren
Aufmerksamkeit testen Junge vor Bildschirm ADHS-Test
DeutschKlinik und TherapieSchule und Entwicklung

ADHS sicher diagnostizieren

Der ADHS-Test 6-12 ist ein neuartiges Testverfahren zur Diagnose von ADHS bei Sechs- bis Zwölfjährigen.

Mehr erfahren
Mann und Frau Fahrrad ADHS bei Erwachsenen
DeutschWissen und GesellschaftKlinik und Therapie

ADHS – unter der Spitze des Eisbergs

„Ohne Menschen mit ADHS wäre die Welt eintöniger“, sagt Ruth Huggenberger. In ihrem neuen Buch und in diesem Text beleuchtet sie Probleme und Chancen…

Mehr erfahren
DeutschKlinik und Therapie

ADHS im Erwachsenenalter

ADHS bei Erwachsenen ist noch immer relativ unbekannt. Die Homburger ADHS-Skalen für Erwachsene HASE bieten in der Neuauflage aktuelle und…

Mehr erfahren