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Interview zum neuen Göttingen Wimmelbuch

Im Interview erzählen uns die Illustratorin Nora Tomm und Ideengeber Johannes Wortmeyer, woher die Idee zum Buch "So toll ist Göttingen!" kam und welche Figuren Ihnen besonders ans Herz gewachsen sind. Nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene gibt es viel zu entdecken – so vielfältig ist Göttingen!

Herr Wortmeyer, Sie hatten die Idee zum Wimmelbuch – wie kam es dazu?

Johannes Wortmeyer:
Anfang 2020 verschenkten meine Eltern das Wimmelbuch Gütersloh an unsere Kinder. Ich dachte, ein Wimmelbuch Göttingen zum Entdecken und Wiederentdecken verschiedener Orte und Geschichten in der eigenen Stadt zu kaufen, ist naheliegend. Für mich überraschend gab es ein solches Buch nicht, daher entschied ich mich dazu, selbst ein Wimmelbuch Göttingen auf die Beine zu stellen.

Und wie kam Frau Tomm zum Projekt?

Johannes Wortmeyer:
Nora und ich haben uns im Sommer 2020 kennengelernt. Ich bin über Noras Wimmelbuch der Weltreligionen auf sie aufmerksam geworden. Die Illustrationen in ihrem Wimmelbuch haben mir sehr gefallen und mit ihr eine gebürtige kreative Göttingerin gefunden zu haben, war perfekt.

Nora Tomm:
Als Johannes mit dem Vorschlag auf mich zukam, war ich gerade im Begriff von Berlin wieder in meine Heimat Göttingen zu siedeln. Daher war es wie ein Wink des Schicksals, dass er mich genau zu diesem Zeitpunkt mit der Idee für ein Wimmelbuch über Göttingen ansprach.

Frau Tomm, Sie hatten als Grafikerin und Illustratorin schon Erfahrungen mit dem Genre Wimmelbuch?

Nora Tomm:
Ja, ich habe schon mal ein Wimmelbuch gezeichnet. „Das Wimmelbuch der Weltreligionen“ welches 2018 im Beltz Verlag veröffentlich wurde. Damals habe ich mit Anna Wills zusammen gearbeitet. Sie hat viele Recherchen zu den einzelnen Religionen gemacht und auch mit Religionswissenschaftlern und -Wissenschaftlerinnen zusammen gearbeitet. Ich habe dann die Szenen umgesetzt. Natürlich sind auch noch eigene Ideen eingeflossen. Bei der Arbeit an solchen Themen lernt man unheimlich viel dazu. Und natürlich ist man in der langen Zeit der Entstehung eines solchen Buches sehr aufmerksam und überall begegnen einen Informationen und Ideen, die dann ins Buch einfließen. 

Sie sind Göttingerin – hatten Sie direkt Motive vor Augen, die Sie unbedingt einbringen wollten?

Nora Tomm:
Zunächst mussten ja die großen und sehr populären Sehenswürdigkeiten, die Göttingen zu bieten hat, auftauchen. Und so habe ich zunächst das Buch nach Themen strukturiert: Verkehr, Kultur, Freizeit und Sport, Universität und so weiter. Daher sind auch die Seiten bunt gemischt und nicht unbedingt geografisch angeordnet. Eine der ersten Ideen war dann der blaue Stadtbus, der durch das Buch begleitet und in den Menschen ein- und aussteigen – so kann man nebenbei kleine Geschichten erzählen, von denen es einige im Buch zu entdecken gibt. Aber es war es mir wichtig, auch meine Lieblingsplätze mit unterzubringen, z.B. den alten Botanischen Garten mit dem Farnhaus, oder die große Graureiherkolonie am Kiessee, die Teddybärklinik, von der mein Sohn sehr begeistert war und natürlich eines der vielen schönen Schwimmbäder der Stadt!

Nun wieder eine Frage an Sie beide: Welche Geschichte, die sich in den Motiven widerspiegelt, hat es Ihnen besonders angetan?

Johannes Wortmeyer:
Ich mag die „Reise“ des „Doktorwagens“, da sie für mich für die studentische Atmosphäre in Göttingen, die Lebensfreude und Toleranz der Göttinger*innen steht.

Nora Tomm:
Ich mag alle meine Figuren. Und es hat Spaß gemacht, sich ihre Abenteuer auszudenken. Eine der ersten Figuren war die Fahrradfahrerin. Für mich war und ist Göttingen auch eine Fahrradstadt. Das ist schon das beste Verkehrsmittel innerhalb der Stadt. Man kommt damit eben überall am schnellsten hin – nur darf man eben nicht in der Fußgängerzone fahren, wie unsere Protagonistin erfährt.

Haben Sie bei der Motivsuche noch Dinge über Göttingen gelernt, die Sie vorher nicht wussten?

Nora Tomm:
Natürlich ist es von Vorteil, wenn man als Einheimische die Stadt gut kennt. Im Laufe des 2,5-jährigen Entstehungsprozesses sind mir dann noch viele Sachen begegnet, die ich noch nicht kannte, wie z.B. die Turmbläser auf der Johanniskirche. Wenn man mit Menschen ins Gespräch kommt, was ihnen zu Göttingen einfällt, kommen natürlich immer wieder neue Ideen. Mir war es wichtig, eine große Vielfalt von Menschen, Ereignissen und Orten zu zeigen.

Johannes Wortmeyer:
Spontan fällt mir nichts Spezielles ein, aber wenn ich bedenke, wie viele Geschichten und Anekdoten im Wimmelbuch untergebracht sind, zeigt es mir, wie vielfältig Göttingen ist. Und ich bin mir sicher, dass Eltern und Kinder noch weitere schöne Geschichten ergänzen könnten, oder Erlebnisse wieder in Erinnerung gerufen werden, leider passen die nicht alle ins Wimmelbuch.

Haben Sie beide eine Lieblingsfigur im Buch?

Nora Tomm:
Wie schon gesagt, ich mag alle meine Figuren! Aber meine Lieblinge sind die fünf Affen, die aus dem Primatenzentrum ausgebüxt sind und allerlei Schabernack treiben. Auch das war eine der ersten Ideen für das Buch.

Johannes Wortmeyer:
Für mich sind es meine beiden Kinder. Für viele Betrachter*innen normale Göttinger, für mich aber etwas ganz Besonderes, da sie stellvertretend für viele andere Kinder kleine Abenteuer im wimmeligen Göttingen erleben dürfen.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Nora Tomm

Nora Tomm, 1979 in Göttingen geboren, hat Illustration und Grafik in Hildesheim und Madrid studiert. Sie lebt mit ihrem Sohn in Göttingen und arbeitet als freischaffende Illustratorin.

Johannes Wortmeyer

Johannes Wortmeyer, 1984 in Gütersloh geboren, hat Kunststoff- und Werkstofftechnik in Osnabrück studiert. Er lebt seit 2010 in Göttingen, ist Vater von 2 Söhnen  und bei Sartorius beschäftigt.

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