Männer als Opfer von Gewalt in Partnerschaften: Ein vernachlässigtes Problem
Von Prof. Dr. Barbara Krahé und Prof. Dr. Anja Berger.
Die Vorstellung, dass Männer Opfer von Partnergewalt sein können, stößt in mehrfacher Hinsicht auf Hindernisse: Zum einen ist der Begriff der Partnergewalt in der öffentlichen Wahrnehmung überwiegend mit der Konstellation weiblicher Opfer und männlicher Täter verbunden. Hinzu kommt, dass sich laut kriminalstatistischer Daten Gewalterfahrungen von Männern überwiegend im außerhäuslichen Bereich ereignen. Ein Mann, der in seiner Partnerschaft mit einer Frau Gewalt erlebt, steht damit in doppeltem Widerspruch zu gängigen Auffassungen. Zudem wird im gesellschaftlichen Diskurs nicht selten die Befürchtung geäußert, eine stärkere Beachtung von Männern als Opfer häuslicher Gewalt könne die Partnergewalt von Männern gegenüber Frauen relativieren und die notwendige Aufmerksamkeit für das Problem reduzieren.
Auch in der Forschung zu häuslicher Gewalt haben Opfererfahrungen von Männern in Partnerschaften bislang eine untergeordnete Rolle gespielt. Vor diesem Hintergrund stellt der vorliegende Beitrag aktuelle Befunde zur Häufigkeit von Gewalterfahrungen von Männern in Partnerschaften in Deutschland vor und betrachtet Faktoren, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Opfererfahrungen in Zusammenhang stehen.
Was ist Partnergewalt?
Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation bezeichnet Partnergewalt „alle Verhaltensweisen, die zu körperlichen, psychologischen oder sexuellen Schädigungen von Personen in einer Paarbeziehung führen.“ (Krug et al., 2002, p. 89). Physische Partnergewalt umfasst Handlungen, die auf eine körperliche Schädigung abzielen, wie Schläge, Tritte und Verbrennungen. Psychische Partnergewalt bezeichnet Verhaltensweisen, die das psychische Wohlbefinden des Partners/der Partnerin beeinträchtigen, etwa durch Einschüchterung, ständige Herabwürdigung oder Demütigung. Sexuelle Partnergewalt beschreibt sexuelle Kontakte ohne Zustimmung, beispielsweise Geschlechtsverkehr oder andere sexuelle Handlungen unter Einsatz oder Androhung von Gewalt.
Im Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul-Konvention) ist ausdrücklich festgehalten, dass auch Männer Opfer häuslicher Gewalt sein können (Council of Europe, 2011). Dennoch hat sich die Forschung den Gewalterfahrungen von Männern in Partnerschaften erst in jüngerer Zeit und in geringerem Umfang zugewandt, wobei der weitaus überwiegende Teil der Beiträge aus den USA stammt. Erkenntnisse über die Situation in Deutschland werden im Folgenden zusammengefasst. Um die Zahlen einordnen zu können, ist zuvor jedoch ein Blick auf die besondere Situation von Männern erforderlich, die Partnerschaftsgewalt erleben.
Die besondere Situation von Männern als Opfer von Partnergewalt
Gewalt in Paarbeziehungen ist ein geschlechtersensibles Thema, das eng mit gesellschaftlichen Rollenbildern von Männlichkeit und Weiblichkeit verknüpft ist. Diese Rollenbilder verlangen von Männern Stärke und Durchsetzungsfähigkeit, die mit dem Bild des Opfers nicht vereinbar sind. Gleichzeitig steht das Bild von Frauen als fürsorglich und beziehungsorientiert der Vorstellung weiblicher Täterschaft entgegen. Dies führt dazu, dass Männer ihre Opfererfahrungen in Beziehungen zu Frauen oft nicht als Partnergewalt erkennen, was eine erste Hürde für die Erfassung des Verbreitungsgrades darstellt. So antworteten in einer aktuellen Studie lediglich 19,2% der befragten Männer mit „ja“ auf die Frage, ob sie schon einmal Gewalt durch eine Partnerin erlebt hatten. Wenn man ihnen mehrere spezifische Formen der Partnergewalt vorlegte, bejahten dagegen 54,1% mindestens eine der erfragten Opfererfahrungen (Schemmel et al., 2024).
Eine andere aktuelle Umfrage bei Männern zwischen 18 und 35 Jahren ergab, dass 71% der Befragten der Ansicht waren, sie sollten ihre Probleme selbst und ohne fremde Hilfe lösen (Plan International Deutschland, 2023). Hinzu kommt, dass das männliche Geschlechterstereotyp Scham- und Schuldgefühle begünstigt, wenn Männer sich nicht gegen die Angriffe einer Partnerin gewehrt haben. Auch dies erschwert die Anerkennung und Mitteilung von Opfererfahrungen. Diese Aspekte führen dazu, dass bei Selbstberichten über Erfahrungen von Partnergewalt bei Männern von einer noch stärkeren Unterschätzung des tatsächlichen Verbreitungsgrades auszugehen ist als bei weiblichen Opfern.
Wie hoch ist der Anteil von Männern, die Partnergewalt durch eine Frau erleben?
Aktuelle Zahlen zum Verbreitungsgrad von Partnergewalt gegen Männer stammen im Wesentlichen aus drei Quellen: der polizeilichen Kriminalstatistik, Umfragen mit repräsentativen Stichproben, und Forschungsstudien mit Verfügbarkeitsstichproben. Im Folgenden werden beispielhaft Daten aus den Kriminalstatistiken der letzten Jahre sowie einige Befunde aus umfangreicheren Repräsentativerhebungen vorgestellt. Daten aus Forschungsstudien, in denen die Teilnehmenden nicht nach Repräsentativitätsgesichtspunkten ausgewählt wurden, ergänzen das Bild, können aber aus Platzgründen hier nicht vorgestellt werden (vgl. Krahé & Berger, 2025).
Kriminalstatistische Daten
Fälle von Partnergewalt gegenüber Männern ab dem 18. Lebensjahr werden in der jährlichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts erfasst. Anzeigen werden als Partnergewalt klassifiziert, wenn die verdächtigte Person ein Beziehungspartner oder eine Beziehungspartnerin in einer früheren oder bestehenden Ehe, einer eingetragenen Lebensgemeinschaft oder einer nicht-ehelichen Partnerschaft ist. Tabelle 1 zeigt die Zahlen angezeigter Fälle von Partnergewalt für die Jahre 2019 bis 2023 sowie den Anteil männlicher Opfer. Die Zahl der angezeigten Fälle von Partnergewalt gegen Männer und Frauen stieg von 2019 bis 2023 deutlich an. Für männliche Opfer ergab sich für den betrachteten Fünf-Jahres-Zeitraum ein Anstieg von 23%. Im Geschlechtervergleich zeigt sich, dass männliche Opfer pro Jahr zwischen 19% und 21% der angezeigten Fälle ausmachen. Die Statistik differenziert allerdings nicht nach dem Geschlecht der Täter*innen, so dass die Zahlen auch Opfererfahrungen in gleichgeschlechtlichen Paarbeziehungen beinhalten.
Jenseits der absoluten Zahlen gibt die Kriminalstatistik auch Auskunft über den relativen Anteil von Opfererfahrungen innerhalb bzw. außerhalb von Partnerschaften. Hier zeigt sich, dass im Jahr 2023 nur 5,8% der von Männern angezeigten Gewaltdelikte den Partnerschaftskontext betrafen, während der Anteil bei Frauen 30,9% betrug. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Paarbeziehungen für Frauen ein riskanterer Kontext sind als für Männer. Insgesamt zeigen die kriminalstatistischen Daten, dass Männer in erheblichem Umfang Gewalterfahrungen in Partnerschaften machen, jedoch deutlich seltener als Frauen. Neben den bereits genannten psychologischen Barrieren für Männer, Partnergewalt anzuzeigen, ist ein Grund für den Geschlechterunterschied in den kriminalstatistischen Daten, dass die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen bei Frauen weitaus höher ist als bei Männern und schwerere Formen von Gewalt eher angezeigt werden.
Repräsentative Umfragen
Durch den Vergleich der kriminalstatistischen Daten mit Auskünften aus Umfragen kann man die Dunkelziffer im Bereich der Partnergewalt abschätzen. Nur ein geringer Prozentsatz von Personen, die Opfererfahrungen berichten, hat diese auch bei der Polizei angezeigt, wobei der Anteil bei männlichen Opfern noch einmal deutlich unter dem der Frauen liegt. Hinzu kommt, dass nicht alle Formen von Gewalt in Paarbeziehungen strafrechtlich definiert sind und daher nicht in die Kriminalstatistik eingehen. Dies betrifft insbesondere psychologische Aggression und sexuelle Übergriffe. Im Unterschied zu anderen Ländern wie den USA und Großbritannien sind in Deutschland keine regelmäßigen Repräsentativerhebungen zu Opfererfahrungen auf der Basis einer einheitlichen Methodik etabliert, denen man verlässliche Zahlen zu Verbreitungsgrad und Entwicklung von Partnergewalt entnehmen könnte. Die vorliegenden Umfragen unterscheiden sich vielmehr in verschiedenen methodischen Aspekten, die den Vergleich erschweren. Trotz dieser Einschränkungen liefern sie jedoch wichtige Hinweise über Männer als Opfer von Partnergewalt, wobei als Zeitfenster in der Regel das letzte Jahr, die aktuelle bzw. letzte Beziehung oder der gesamte Zeitraum ab einem bestimmten Alter betrachtet werden.
Prävalenz männlicher Opfererfahrungen im zurückliegenden Ein-Jahres-Zeitraum oder in der aktuellen bzw. letzten Paarbeziehung
In einer Befragung von 14.241 Männern und Frauen im Alter zwischen 16 und 93 Jahren mit Wohnsitz in Niedersachsen gaben mehr Frauen (9,4%) als Männer (6,1%) an, im Jahr 2012 Gewalt in ihrer Paarbeziehung erlebt zu haben. Zudem berichteten mehr weibliche (47,7%) als männliche (26,7%) Opfer über Verletzungen durch den*die Partner*in (Landeskriminalamt Niedersachsen, 2015). Die häufigste Form der Partnergewalt war psychologische Aggression. In einer Nachfolgestudie mit einer ebenfalls repräsentativen Stichprobe von 8.161 Männern und 8.951 Frauen zwischen 16 und 102 Jahren berichteten 4,6% der Männer und 6,7% der Frauen, im Jahr 2020 mindestens einmal Opfer von Partnergewalt geworden zu sein. Die höchste Rate ergab sich für psychologische Aggression (4,2% der Männer und 5,9% der Frauen), die Rate für körperliche Gewalt war mit 1,0% für Männer und 1,3% für Frauen deutlich niedriger (Landeskriminalamt Niedersachsen, 2022).
Ähnliche Zahlen ergaben sich in einer bundesweiten Studie mit 2.790 Männern und 3.149 Frauen im Alter zwischen 18 und 79 Jahren. Hier gaben 0,9% der Männer an, in den letzten 12 Monaten mindestens einmal körperliche Gewalt in ihrer Beziehung erlebt zu haben, 3,3% berichteten psychologische Aggression. Die analogen Zahlen für Frauen waren 1,2% bzw. 6,6% (Schlack et al., 2013). Der Anteil derjenigen, die ihre Opfererfahrung bei der Polizei angezeigt hatten, lag in beiden Geschlechtergruppen nur bei 0,5%.
Deutlich niedrigere Prävalenzen zeigten sich in der bislang umfangreichsten Studie zu Partnergewalt in Deutschland unter dem Titel „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland 2020“, in der 45.351 Personen ab dem Alter von 16 Jahren befragt wurden (Bundeskriminalamt, 2022). Von den befragten 21.215 Männern gaben 0,35%, an im vergangenen Jahr körperliche oder sexuelle Gewalt in ihrer Beziehung erlebt zu haben. Bei den 23.290 befragten Frauen lag die Rate mit 0,69% deutlich höher. Dass die Zahlen für beide Geschlechter niedriger als in den zuvor beschriebenen Studien lagen, ist zum Teil durch das methodische Vorgehen erklärbar: Die Teilnehmer*innen wurden zunächst ohne Bezug zum Partnerschaftskontext nach Opfererfahrungen gefragt, und nur diejenigen, die eine Opfererfahrung berichteten, sollten angeben, ob sie im Beziehungskontext stattgefunden hatte. Dadurch wurde die Schwelle erhöht, an den Partner bzw. die Partnerin als Täter*in zu denken.
Aktuelle Daten speziell zu Erfahrungen von Männern mit Gewalt in der Partnerschaft liefert die Umfrage von Schemmel et al. (2024). Sie befragten eine repräsentativ ausgewählte Stichprobe von 1.219 Männern zwischen 18 und 69 Jahren zum Erleben von fünf Formen von Partnergewalt im letzten Jahr: körperliche, psychologische und sexuelle Gewalt, kontrollierendes Verhalten (z.B. Einschränkung von Kontakten zu Familie und Freunden) und digitale Gewalt (z.B. Verbreitung verletzender Informationen über das Internet). Über alle fünf Formen hinweg berichteten 35% der befragten Männer mindestens eine Erfahrung mit Partnergewalt. Am häufigsten wurde kontrollierendes Verhalten angegeben (25,1%), gefolgt von psychologischer Aggression (23,6%), körperlicher Gewalt (13,8%), sexueller Gewalt (3,4%) und digitaler Gewalt (2,8%). Die Zahlen beziehen sich sowohl auf männliche als auch weibliche Beziehungspartner*innen, da keine Differenzierung nach Tätergeschlecht vorgenommen wurde.
Lebenszeitprävalenz männlicher Opfererfahrungen
Da Zahlen zur Lebenszeitprävalenz einen längeren Zeitraum umfassen, liegen sie generell über den für einen Jahreszeitraum oder die aktuelle/letzte Beziehung erfassten Größenordnungen. Aktuelle Befunde für Männer und Frauen sind der Repräsentativerhebung von Jud et al. (2023) zu entnehmen, an der 1.265 Männer und 1.256 Frauen ab dem Alter von 14 Jahren teilnahmen und die vier Formen von Partnergewalt erfasste: psychologische, körperliche, sexuelle und wirtschaftliche Gewalt, definiert als Einschränkung der finanziellen Unabhängigkeit des Partners/der Partnerin. Tabelle 2 zeigt die Lebenszeitprävalenzen insgesamt und für jede der vier Formen von Partnergewalt für Männer und Frauen auf. Auch wenn die Zahlen für Frauen durchgängig über denen der Männer liegen, bleibt festzuhalten, dass mehr als die Hälfte der männlichen Befragten bereits mindestens einmal Opfer von Partnergewalt wurde. In der reinen Männerstichprobe von Schemmel et al. (2024) gab ebenfalls mehr als die Hälfte (54,1%) an, mindestens eine Opfererfahrung in einer Partnerschaft erlebt zu haben.
Insgesamt verdeutlichen die Befunde der betrachteten Repräsentativerhebungen, dass Männer in erheblichem Umfang von Gewalt in Partnerschaften betroffen sind. Das Bild unterscheidet sich deutlich von dem in der Kriminalitätsstatistik abgebildeten Hellfeld und weist Männer als vernachlässigte Opfergruppe aus.
Individuelle Unterschiede in der Vulnerabilität für Opfererfahrungen
Ebenso wie der Verbreitungsgrad der Opfererfahrungen von Männern in Partnerschaften bislang vernachlässigt wurde, ist auch der Erkenntnisstand über diejenigen Variablen, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit männlicher Opfererfahrungen im Zusammenhang stehen, begrenzt. Sie reduziert sich weitgehend auf die Betrachtung von Altersunterschieden, die jedoch kein einheitliches Bild vermittelt. Die Kriminalstatistik weist die höchsten Opferzahlen für die Altersgruppe zwischen 30 und 40 Jahren aus (Bundeskriminalamt, 2023b, 2024). Die Umfragestudie aus Niedersachsen im Jahr 2012 fand, dass die Opferraten mit dem Lebensalter abnahmen (Landeskriminalamt Niedersachsen, 2015), hingegen wurden bei den Lebenszeitprävalenzen die höchsten Raten für die Altersgruppen zwischen 50 und 69 Jahren festgestellt (Jud et al., 2023).
Neben dem Alter als demographischen Risikomarker verweisen einige Studien auf die Bedeutung kindlicher Missbrauchserfahrungen als Prädiktoren erneuter Opfererfahrungen im Beziehungskontext (Hellmann, 2014). Zusammenhänge zwischen der Erfahrung von elterlicher Gewalt in der Kindheit konnten zudem für alle fünf in der Studie von Schemmel et al. (2024) betrachteten Formen der Partnergewalt (körperlich, sexuell, psychologisch, digital und kontrollierend) belegt werden. Im Rahmen einer Längsschnittstudie konnten Berichte von Männern über sexuellen, physischen und emotionalen Missbrauch in der Kindheit als Prädiktoren von Opfererfahrungen in Partnerschaften identifiziert werden (Berger & Krahé, 2025). Diese Zusammenhänge fanden sich auch in der internationalen Forschungsliteratur und zeigen Parallelen zu Reviktimisierungsmustern bei weiblichen Opfern von Missbrauch in der Kindheit auf (Krahé, 2023).
Kritische Würdigung des Wissensstandes
Der aktuelle Erkenntnisstand verdeutlicht, dass Männer zwar seltener als Frauen Partnerschaftsgewalt erleben, jedoch in einem Ausmaß, das eine intensivere Beschäftigung mit der Thematik erfordert. Insbesondere zur Frage nach Faktoren, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Opfererfahrungen zusammenhängen, liegen bislang kaum Befunde vor. Zudem sind eine Reihe von Forschungslücken zu schließen: Erstens konzentrieren sich die vorliegenden Studien überwiegend auf heterosexuelle Paarbeziehungen oder differenzieren nicht nach dem Geschlecht der Täter*innen. Für Männer in gleichgeschlechtlichen Paarbeziehungen fehlt damit in Deutschland eine systematische Wissensbasis sowohl aus kriminalstatistischen Daten als auch aus repräsentativen Umfragen. Zweitens mangelt es an Längsschnittstudien, die erforderlich wären, um Risikofaktoren für Opfererfahrungen zuverlässig zu identifizieren und vulnerable Gruppen für präventive Maßnahmen zu bestimmen. Um die Prävalenzzahlen und den Vergleich mit weiblichen Opfern abzusichern, müsste schließlich drittens aus methodischer Sicht geprüft werden, ob es Männern schwerer fällt als Frauen, Opfererfahrungen als solche zu erkennen, was unmittelbare Auswirkungen auf Angaben in Umfragen hätte (Marchewka et al., 2022). Diese Desiderata unterstreichen die Notwendigkeit, eine systematische Forschungsagenda zur Untersuchung von Partnergewalt gegenüber Männern in Deutschland zu etablieren und zugleich adäquate, passgenaue Hilfsangebote zu entwickeln.
Originalartikel: Men as Victims of Intimate Partner Violence in Heterosexual Relationships
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Prof. Dr. Barbara Krahé
Dr. Barbara Krahé ist Professorin für Sozialpsychologie im Ruhestand an der Universität Potsdam. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Aggressionsforschung, insbesondere auf den Themen Sexuelle Aggression und Partnergewalt.
Prof. Dr. Anja Berger
Dr. Anja Berger ist Professorin im Fachbereich 5: Polizei und Sicherheitsmanagement der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. In ihrer Forschung untersucht sie die Schnittstellen zwischen Geschlechteridentität, sexueller Aggression und struktureller Gewalt.
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